Ja, ich hab es getan, ich hab Shades of Grey gelesen. Ich wollte es nicht, wirklich nicht! Aber was soll man sagen, wenn die Mitbewohnerin es zu Hause hat und man kränkelnd im Bett liegt und leichte Lektüre brauch? Genau, dann liest man einen Quasi-Porno. Als Saskia mir dann gestern bei Skype schockiert berichtete, sie hätte eine 50-seitige Testversion gelesen musste ich ihr verraten, dass ich die Bücher schon gelesen habe, zumindest Teil 1 und 2. Ihre Antwort? "Also ich glaube ich könnte das nicht lesen, ohne danach nach D. [Ihrem Freund, Anm. d. Red.] zu rufen" - heieiei diese sexuelle Saskia, kann nicht einmal einen Porno lesen ohne ihren armen, armen Freund danach anzurufen. Solch schweinig sexuelle Saskia. [Achtung, Alliteration!] Nun aber meine paar Cent zu den skandalösen Bestseller, die momentan scheinbar DAS Gesprächsthema sind.
Hintergrund: Geschrieben wurden die Bücher wie ja sicher viele von euch wissen von einer nicht mehr jungen Hausfrau und Mutter. [Was sagt man denn als Ehemann / Nachbar / Eltern zu sowas?! Schock?!] Inspiriert wurde sie dabei von Twilight, ursprünglich war Shades of Grey, Titel damals Master of the Universe, als Fanfiction geschrieben, also einer Geschichte in der man seine Lieblingscharaktere aus Buch / Film / etc. nimmt und sie die eigene Dramen durchleben lässt. Natürlich kamen schon in ihrer Fanfiction keine Vampire vor, nur hieß eben Christian damals Edward, Anastasia war Bella, etc. Die Parallelen zu Twilight finde ich immer noch ziemlich eindeutig, auch wenn Namen und Aussehen in der Buchfassung natürlich geändert wurden. Trotzdem - soll Stephenie Meyer stolz drauf sein Inspiration für "so etwas" gewesen zu sein?
Die Geschichte: Dazu will ich gar nicht viel sagen - um was es geht weiß vermutlich sowieso jeder. Christian, reicher und erfolgreicher Karrieremann, trifft auf Ana, schüchterne und unsichere Studentin. Er zieht sie in seinen Bann und will sie für sich gewinnen - auf seine ganz spezielle Art. Christian ist Dom und steht auf BDSM, Sadomaso, außergewöhnliche Sexspiele. Ana ist Jungfrau und weiß nicht auf was sie sich da einlässt. Dann nimmt der Porno, äh pardon, die Geschichte ihren Lauf.

Meine Meinung: Nun zu dem was ich über das ganze Phänomen der neuen Erotikliteratur für Frauen dachte. Als ich angefangen hab zu lesen dachte ich erstmal: Wow, man merkt, dass die Hausfrau und nicht Autorin ist. Die Sprache ist einfach nur grausam, wirklich grausam. Ich mein auch Stephenie Meyer zum Beispiel begeistert ja nicht gerade mit literarischen Höhenflügen, im Gegenteil, aber das hier ist wirklich unter aller Sau. Bereits nach den ersten 20 Seiten dachte ich mir: Das hast du doch schonmal gelesen... Und wirklich: James benutzt immer wieder die selben Redewendungen, beschreibt mit den gleichen Adjektiven und ihre Sprache ist einfach redundant. Ich war wirklich kurz davor aufzuhören mit lesen, aber meine Neugier war zu groß. Die Sprache konnte also schonmal nicht begeistern, was ist es dann, was alle so interessiert?
Natürlich, der Sex. Sehr viel mehr ist auch in dem ersten Buch eigentlich nicht, außer Sex, Gesprächen über Sex und ein bisschen Drumherum. Äußert detaillierte Sexszenen, teils wirklich eklich explizit, dazu gleich mehr. Der dominante Christian zeigt der unerfahrenen, jungfräulichen Ana was Sex ist. Und was sagt er etwa tausend Mal im laufe der Bücher [s.o.]? "Ich mache keine Liebe, ich ficke... ich ficke hart!" Na dann... Sexszenen ziehen sich über mehrere Seiten, anregend [hust] kann das natürlich schon sein. Oder auch abstoßend und viel zu detailliert, wenn man zum Beispiel liest wie Ana Christian gesteht sie habe ihre Tage und könnte heute nicht, worauf er nur antwortet das sei im egal und ihr das Tampon rauszieht. JA, das steht wirklich genau so da. ER ZIEHT IHR DEN TAMPON RAUS! Also wenn das nicht eklig explizit ist, dann weiß ich ja auch nicht.
Neben dem Sex, der vor allem im ersten Teil der Reihe [gelesen habe ich Teil 1 und 2] dominiert, geht es um die charakterlichen Abgründe und die vielen Facetten des Christian Grey und dessen traumatisierende Kindheit. Kann mir bitte jemand verraten, warum auf einmal scheinbar alle Frauen einen Mann wie Christian Grey wollen?! Also ich versteh's nicht. Wie er so schön immer und immer und immer wieder sagt, er ist "abgefuckt".
Insgesamt ist die Geschichte unglaublich langwierig, vor allem im zweiten Teil passiert quasi nichts, ein ewiges Hin- und Her um Anastasia moralische Bedenken und Christians Wille sich zu ändern. Wie gesagt - man liest einfach immer und immer wieder das gleiche in den Büchern, und das dann verteilt über tausende von Seiten.
Fazit: Wer einen kleinen Porno als Bettlektüre will kann sich die Bücher schon durchlesen, erwarten sollte man allerdings nicht zu viel. Ich hoffe nur, dass jetzt nicht tausende Erotikbücher von frustrierten Hausfrauen aus dem Boden sprießen und die Welt der Literatur endgültig zerstören. Shades of Grey - für mich das weibliche Pendant zu einem Porno oder dem Playboy. Was ja keine Schande ist, versteht mich da nicht falsch. Was ich nicht verstehe: warum ist es okay, wenn eine Frau Shades of Grey liest, im Bett neben ihrem Mann, nicht aber wenn ein Mann Abends ne Runde im Playboy blättert? Kann mir das jemand erklären? Nun ja, drei Sachen die für mich das Buch perfekt beschreiben? Grausam geschrieben, langwierig und pornös.
Habt ihr Shades of Grey gelesen? Was haltet ihr von dieser neuen Art der Erotikliteratur für Frauen?
Eure Marie